Montag, 17. Mai 2010

Akademiker, die Hartz 4 beziehen gibts nicht. Oder? Das dachte ich jedenfalls, als ich noch fleißig am Studieren war. Schließlich wird man doch als Hochqualifizierter nen guten Job bekommen! Außerdem boomt die Medienbranche, sagt man sich jedenfalls. Dumm nur, dass jeder zweite Absolvent "was mit Medien" machen will. Jetzt bin ich exmatrikuliert, habe nen super Abschluss in der Tasche und beziehe seit über einem halben Jahr Hartz 4. Juhu! Woran liegts? Ich kenn kein Geheimrezept (sonst würd ich ja nicht in meiner Lage sein), aber vielleicht nützen meine bisherigen Erfahrungen dem einen oder anderen Studenten der Kommunikations- und Medienwissenschaft. Meiner Meinung nach treffen da einige Faktoren zusammen, die den reibungslosen Einstieg verhindern:
  • Wählt empirische Forschungsprojekte im Studium und/oder der Abschlussarbeit
  • macht auf jeden Fall ein Auslandssemester (zur Not auf Kredit)
  • schrubbt Praktika ohne Ende - 3 oder 4 reichen m.E. nicht aus
  • fokussiert euch auf den angestrebten Job bereits im Studium (z.B. Seminare & Abschlussarbeit)
  • legt euch zusätzlich BWL- und Marketingwissen zu (ein Blick in die Stellenanzeigen wird euch verraten, dass heute ein Großteil der Stellen, die klassisch mit Medienwissenschaftlern besetzt wurden, heute für BWLer ausgeschrieben werden - money rules the world....)
  • eignet euch fundierte journalistische Kenntnisse an, PR wäre auch nicht schlecht (und das sowohl theoretisch als auch durch Praktika)
  • netzwerkt! - und zwar nicht via studivz oder facebook. Viele Stellen werden unter der Hand vergeben. Man muss heute viele Leute kennen, was impliziert, dass man vor Oberflächlichkeit nicht zurückschrecken darf
  • Legt euch ein finanzielles Polster an - auch als Bafög-Empfänger(in)! Nach dem Studium erwartet euch oft ein Volontariat, dass erfahrungsgemäß unverschämt bezahlt wird (z.B. 500-800 € brutto für 1-2 Jahre in München oder Hamburg können da schon mal drin sein) - Die Gehälter sind leider im Bereich Medien mehr als im Keller, da ist es gut, wenn man auf 1-2 Tausend € zurückgreifen kann, um eine schlecht bezahlte Stelle annehmen zu können
  • fangt bereits vor dem Beginn der Abschlussarbeit mit der Recherche nach potenziellen Arbeitgebern an (während des Schreibens hat man dazu keine Zeit und nach der Verteidigung steht man ohne Plan da und brauch dementsprechend mehrere Wochen bis man weiß, welche Firmen für einen selbst in Frage kommen würden)
  • unterschätzt das üben von Bewerbungsanschreiben nicht. Insbesondere als Kommunikationswissenschaftler sollte man sein Handwerk beherrschen
  • unterschätzt den Bewerberandrang in der Medienbranche nicht. Je nach Stelle & Bekanntheit des Arbeitgebers können da schon mal ein paar Hundert Konkurrent(innen) gegen einen stehen
  • Studiert nicht nur Medienwissenschaft aus Interesse, sondern plant eine konkrete Karriere, die ihr möglichst stringent verfolgt
Die Liste wird ggf. ergänzt. Nebenbei bemerkt: Ich hab erst vor einigen Tagen gelesen, dass 2009 nur 6% der Absolventen aus dem Bereich der Medien (mit welcher Spezialisierung auch immer) ein sozialversicherungspflichtigen Job bekommen haben, der den Qualifikationen ihres Studiums entsprach. Spooky oder? Ich hab leider keinen Link mehr, aber es war ne Studie der Universitäten in Österreich. Wenn ich ihn noch finde, reiche ich ihn nach. Die Zahl, die sicher für Deutschland ähnlich sein wird, macht deutlich, dass man es mit viel Konkurrenz zu tun hat und man sich daher so früh wie möglich im Klaren sein sollte, wo und als was man später arbeiten möchte. Damit ich nicht falsch verstanden werde: ich möchte das Studium keineswegs madig reden (ich würde es auch jederzeit wieder studieren), jedoch steigen die Jobchancen enorm, wenn man möglichst viele der o.g. Bullet-Points im Hinterkopf behält.